Eine Analyse von antisemitischem Hass als katastrophaler Form religiöser Sinnstiftung Jahrhunderte lang wurde den Juden in Europa ihr Unwille vorgeworfen, sich zum universalistischen Liebesethos des Christentums zu bekehren. Im 20. Jahrhundert galt plötzlich umgekehrt ihr Beharren auf Übernationalität und Transzendenz als Zeichen für die Gefährlichkeit alles Jüdischen.Der hellsichtige Essay des renommierten Soziologen Hans Joas fragt danach, ob die Erinnerung daran auch und gerade nach Entstehung eines jüdischen Staates und in einer Zeit der politischen Umbrüche weiterhin aktuell ist.
Hans Joas, geb. 1948, ist Max-Weber-Professor und Leiter des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt sowie Professor für Soziologie und Social Thought an der University of Chicago.
Michael Kühnlein, geb. 1967, ist Habilitand an der Hochschule für Philosophie in München.