Derek Spears analysiert klassische Zitate und Anspielungen in frühchristlicher Literatur bis zum Ende des 2. Jh. n. Chr. Den Ausgangspunkt bildet der von Paulus in 1Kor 15 zitierte iambische Trimeter. Von dort aus untersucht der Autor zunächst das Neue Testament sowie die Apostolischen Väter. Er hinterfragt die bislang dominante Lesart, die diese Texte zu häufig durch das Prisma der klassischen Bildung des 5. und 4. Jahrhunderts v.Chr. interpretiert haben - eine Art von Bildung, wie sie an späteren Schulen und Universitäten vermittelt wurde, die jedoch möglicherweise nicht die Lebenswelt der ersten Christen widerspiegelt.
Im weiteren Verlauf richtet Derek Spears den Blick auf Justin den Märtyrer, die Apologeten und Clemens von Alexandrien. Dabei hebt er hervor, dass die klassische Zitierpraxis in christlichen Texten zunehmend an Selbstverständlichkeit gewinnt. Justin nennt als erster explizit klassische Autoren; Clemens schließlich zitiert sie in großem Umfang. In der Auseinandersetzung mit Clemens wird dessen literarische Praxis mit der von Autoren wie Aulus Gellius und Athenaeus verglichen. Der Autor legt dar, dass Clemens und andere christliche Autoren als Florilegisten vorgingen, wobei die effektive Zitierweise auf eine fundierte Kenntnis der Originaltexte schließen lässt. Gezeigt wird so, wie sich mit dem Aufkommen einer literarisch gebildeten christlichen Elite auch der Umgang mit der klassischen Tradition wandelte.