Ki-Eun Jang analysiert die vielfältigen Prozesse, durch die im altorientalischen Literaturmilieu Identitätsbezeichnungen beansprucht, zurückgewiesen und neu angeeignet wurden. Ausgangspunkt ist die grammatische Kategorie der Gentilicia, deren moderne Genealogie mit den antiken Logiken sozialer Zuordnung kollidiert. Die Autorin zeigt, dass herkömmliche Modelle von Ethnizität und Rasse, die in der altorientalistischen und bibelwissenschaftlichen Forschung häufig als erklärende Raster vorausgesetzt werden, methodische Probleme erzeugen, weil sie die historischen Voraussetzungen, theoretischen Prämissen und interpretativen Grenzen dieser Kategorien verkennen. Durch die Auseinandersetzung mit soziologischen und postkolonialen Kritiken - insbesondere mit dem Barth'schen Paradigma ethnischer Gruppen und Grenzen - rekonstruiert er die Wirkungsgeschichte ethnischer und rassischer Denkfiguren in den Geisteswissenschaften und legt deren Einfluss auf die Auslegung altorientalischer Texte frei. Im sprachwissenschaftlichen Zugriff führt er das Konzept relational-adjektivischer Formen ein, um die morphologischen, semantischen und ontologischen Strukturen zu bestimmen, die in Gentilicia Ausdruck finden. So wird sichtbar, dass diese Bezeichnungen vielfältige Relationen, Zugehörigkeiten und soziale Positionierungen verschränken, die sich modernen ethnischen Typologien entziehen. Die Analyse einzelner Fälle aus der hebräischen Bibel und verwandter Literatur, wie Philister", Hebräer", Kanaanäer", Aramäer" und Judeer" zeigt, wie variabel die zugrunde liegenden Vorstellungen von Zugehörigkeit waren und wie sie die sozialen Mechanismen antiker Identitätsbildung prägten.