Ein westlicher Prasident spricht beilaufig davon, dass eine ganze Zivilisation sterben konnte. Es gibt keine Massenproteste. Keine diplomatische Krise. Es ist eine Nachricht am Nachmittag, zwischen einem Sportergebnis und einer Gewinnwarnung. Der Autor liest den Satz auf seinem Telefon, in einem Cafe in Munchen - und scrollt weiter. In genau diesem Moment beginnt dieses Buch. Daniel Furg, Journalist, Autor und Unternehmer, geht der Frage nach, die wir uns nicht stellen wollen, weil ihre Antwort uns selbst betrifft: Was ist mit uns geschehen? Nicht mit den Populisten, den Extremisten, den Brandstiftern. Sondern mit uns den Zuschauern, den Weiterschrollern, den Achselzuckern. Seine These ist so einfach, dass sie fast beleidigend klingt: Nicht Hass zerstort die Demokratie. Nicht Propaganda. Bequemlichkeit zerstort sie. Die Bequemlichkeit einer Gesellschaft, die Demokratie fur eine Dienstleistung halt und vergessen hat, dass Demokratie Arbeit ist. Jeden Tag. Von jedem Einzelnen. Furg stutzt sich auf Gesprache, die ihn verandert haben: mit der Auschwitz-Uberlebenden Eva Umlauf, die die Parallelen erkennt. Mit der turkischen Autorin Ece Temelkuran, die den Zerfall einer Demokratie am eigenen Leib erlebt hat. Mit Peer Steinbruck, Ricarda Lang, Philipp Ruch, Ilko-Sascha Kowalczuk und anderen, die mit einer Offenheit sprechen, die man in der offentlichen Debatte selten findet. Das Ergebnis ist kein wissenschaftliches Werk und keine Parteienschrift. Es ist ein Appell, geschrieben aus der Uberzeugung, dass wir uns in einer Stunde befinden, in der Schweigen zur Mittaterschaft wird. Nicht im juristischen Sinne. Im moralischen.